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Schwarze Götter im Exil
Fotoausstellung und Rahmenprogramm,
September 2004 - Sommer 2006
Am 1. September 04 beginnt das Verbundprogramm Schwarze Götter
im Exil mit einer Ausstellung der Fotografen Pierre
Fatumbi Verger und Mario
Cravo Neto sowie einem interdisziplinären Rahmenprogramm
im Ethnologischen Museum
Berlin.
Das Projekt untersucht die kulturellen Transfers im
transatlantischen Dreieck (Afrika - Amerika - Europa)
von der Sklavenzeit bis in die Gegenwart. Ein Schwerpunkt
liegt auf Arbeiten visueller Anthropologen, Künstler
und Literaten, die sich mit den Kulturen der 'Schwarzen
Amerikas' beschäftigt haben.
Eröffnet wird Schwarze Götter im Exil
von der deutschen Kulturstaatsministerin Dr. Christina Weiss
und dem brasilianischen Kulturminister Gilberto Gil,
der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen
hat. Der brasilianische Musiker und Komponist war Pierre
Verger lange Jahre freundschaftlich verbunden und dokumentierte
dessen Leben und Werk in einem vielbeachteten Film.
Die Ausstellung, eine Koproduktion der Stiftung
Pierre Verger in Salvador/Bahia mit dem Goethe-Institut,
wird bis 2006 im Ethnologischen Museum
Berlin, im Museum
der Weltkulturen in Frankfurt a.M., im Linden-Museum
Stuttgart und im Staatlichen Museum für Völkerkunde München gezeigt. Der Katalog erscheint im Verlag
Das Wunderhorn
Heidelberg. Gefördert wird das Projekt von der
Kulturstiftung
des Bundes.
12 Millionen Sklaven sollen nach UNESCO
Studien von Europäern aus Afrika in die sogenannte
Neue Welt verschleppt worden sein. Das kollektive Gedächtnis
an diesen größten Menschenraub der Weltgeschichte
wurde auf der anderen Seite des Atlantiks in rituellen
Praktiken des brasilianischen Candomblé *), haitianischen
Voodoo oder der kubanischen Santería wachgehalten.
Ausstellung
Kein Fotograf des 20. Jahrhunderts hat
die wechselseitigen kulturellen Beziehungen und den
kontinuierlichen Wissenstransfer zwischen Europa, Afrika
und den beiden Amerikas so umfangreich erforscht und
dokumentiert wie Pierre Verger (1902-1996). Während
sein Werk in Europa weitgehend unbekannt geblieben ist,
gilt Verger in seiner Wahlheimat Brasilien und darüber
hinaus in ganz Lateinamerika seit langem als einer der
wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Er spielte
eine wichtige Rolle als Wegbereiter der visuellen Anthropologie
und beeinflusste eine ganze Generation von Künstlern,
Literaten und Wissenschaftlern beiderseits des Atlantiks.
Sein fotografisches Werk, das hauptsächlich zwischen
den 1930er und 1960er Jahren entstand, trug wesentlich
zum (Selbst)Verständnis der modernen multi-ethnischen
Gesellschaften der 'Schwarzen Amerikas' (Roger Bastide)
bei. In Deutschland wurde Verger über Hubert Fichte
und Eleonore Mau bekannt, deren Publikationen Xango
und Petersilie nur dank seiner Unterstützung
entstehen konnten.
Pierre Fatumbi Verger
bereiste als international bekannter Fotoreporter
für Paris-Soir, Match-Magazine, Daily Mirror, LIFE,
La Prensa, O Cruzeiro, Unesco Kurier u.a. alle fünf
Kontinente. Im Jahre 1946 kam er erstmalig nach Salvador
de Bahia, das fortan zu seiner zweiten Heimat
werden sollte. Neben seinen zahlreichen Reisereportagen
aus Afrika hielt er das Leben dieser heimlichen Hauptstadt
der afrobrasilianischen Künste und Kultur (mit
mehr als 3.000 Kultstätten) in faszinierenden Bildern
fest. Seit den 50er Jahren erschienen zahlreiche Fotobände
in Brasilien und Frankreich, die heute vergriffen sind.
Bis an sein Lebensende (1996) wohnte
Verger unter einfachsten Bedingungen in einem Vorort
Salvadors und war aktives Mitglied in einer afrobrasilianischen
Glaubensgemeinschaft. In seinem ehemaligen Haus befindet
sich heute die Fundaçao Pierre Verger, die den
Nachlass von rund 62.000 zum großen Teil unveröffentlichten
Aufnahmen sowie seine Bibliothek und Korrespondenzen
für dieses Projekt zur Verfügung stellt.
Das Konzept
stellt die zentrale Bedeutung Vergers
für die Cultural Studies, die europäische
Ethnologie und Kulturanthropologie heraus. Durch seinen
interdisziplinären und universellen Ansatz vermittelte
der ehemalige Autodidakt einer Generation Forschern
aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen völlig
neue Einsichten in das Funktionieren multiethnischer
und religiös vielfältiger Gesellschaften.
Seine Freundschaft und intellektuelle Verbundenheit
mit den bekanntesten Anthropologen und Ethnologen seiner
Zeit, Intellektuellen und Künstlern des Pariser
Surrealismus und des brasilianischen Modernismo machen
ihn darüber hinaus zu einer Schlüsselfigur
des 20. Jahrhunderts. Mit Schwarze Götter im
Exil kann das deutsche Publikum heute in Pierre
Fatumbi Verger einen idealen Vermittler zwischen Afrika,
Europa und den Amerikas wiederentdecken.
Kontakt: Christoph Bertrams, Forum Goethe-Institut Berlin, bertrams@goethe.de
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Weitere Informationen:
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Ausstellung Orte, Daten, Programme
Pierre Verger 110 Fotos, Zitate; Biographie, Porträts, Texte
Mario Cravo Neto 44 Bildseiten, Biographie
Publikationen Katalogbücher zu beiden Künstlern, mit Texten
Schwarze Neue Welt Roger Bastide über Sklavenhandel und die Ursprünge afrikanischer Kultur in Amerika
Pierre Verger Stiftung Zusammenfassung
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